#7 Gründe, warum so wenig Männer vegan sind

Laut einer neuen Umfrage der Plattform vegan.eu leben 82 % Frauen vegan, im Vergleich zu 16,6 % Männer. Intersexuelle sind zu 1% vertreten. Dieses Ungleichgewicht hat unter anderem zur Folge, dass mehr (Hetero-)Frauen bei der Partnerwahl Kompromisse eingehen wollen und das wohl oder übel auch tun müssen.

Doch was ist der Grund für diese Schieflage? Warum lassen sich sehr viel mehr Frauen als Männer auf eine vegane Lebensweise ein? Hier findet ihr sieben Gründe, die keine Verallgemeinerung allà schwarz-weiss beabsichtigen, sondern gesellschaftliche Strukturen und Tendenzen aufzeigen wollen.

Damit möchte ich vor allem vegane Frauen dabei unterstützen, eine offene und verständnisvolle Beziehung mit ihrem oft fleischessenden Liebsten zu leben.

#1 Empathie wird als “feminin” wahrgenommen.

Die Fähigkeit zum Mitgefühl in Erziehung, Medien und sozialen Kontexten wird eher Frauen zugeschrieben und auch von ihnen erwartet. Gleichzeitig wird Männern “Härte”, Konkurrenz und Machtausübung vorgelebt. Mitfühlende Männer laufen Gefahr, als “Weicheier” stigmatisiert zu werden.

Um es nochmal klar zu machen: Dass bedeutet nicht, dass jede Frau, jeder Mann oder jede_r Intersexuelle gleichermaßen davon beeinflusst ist. Sonst würde es gar keine veganen, mitfühlenden Männer geben. Was ich meine ist, dass es gesellschaftliche Strömungen und Messages im Mainstream gibt, die auf uns alle einwirken. Dies gilt auch für alle weiteren hier aufgezählten Gründe.

#2 Mehr Frauen als (Hetero-)Männer sind von Diskriminierung betroffen.

Deshalb sind ihre Antennen für gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse geschärft. Das macht es Frauen leichter, sich mit Tieren, die in der heutigen Massentierhaltung ausgebeutet werden, zu verbinden und für sie einzustehen. Männer dagegen profitieren oft mittel- oder unmittelbar von Unterdrückungsstrukturen. Das kann sie blind machen für Ungerechtigkeit.

#3 Gesunde Ernährung ist primär ein Frauenthema.

Der “typische” Mann isst Burger und grillt. Er interessiert sich nicht für gesundheitliche Vorbeugung und geht erst zum Arzt, wenn es fast zu spät ist. Frauen dagegen achten auf ihre Körper, schließlich werden sie auch vermehrt über Äußerlichkeiten definiert. Eine pflanzliche Ernährung, die nachweislich viele gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, kommt ihnen dabei entgegen.

#4 Fleisch wird gezielt an Männer vermarktet.

Hast du schon mal das Magazin Beef durchgeblättert? Da wird Fleisch direkt und ohne Umwege zur “Männersache” erklärt. Der Mythos vom jagenden “Caveman” spricht direkt Männer an und trägt zum Gruppenzwang bei, mit Stärke und Rücksichtslosigkeit die eigene Männlichkeit unter Beweis zu stellen.

#5 Fleisch wird mit Muskelaufbau, Körperkraft und Potenz verbunden.

Hier wird vor allem der hohe Eiweiss- und Eisengehalt angeführt. Tragisch daran ist, dass diese Eiweissmast zur Übersäuerung des Körpers, einer Überlastung der Organe und zu verstopften Arterien führt. Das ist alles andere als potenzfördernd…! Muskelaufbau ist zudem nachweislich auch mit pflanzlicher Kost möglich – ohne die oben aufgeführten Nebenwirkungen.

#6 Kein Fleisch zu essen ist “schwach und unmännlich”.

Beim Konsum von Tieren geht es darum, eine (symbolische) Beute zu vertilgen. (“Schatz, das Schwein hab ich im Supermarkt erlegt.”) Es geht darum, die eigene Machtposition zu untermauern und gesellschaftliche Dominanz zu beweisen.

#7 Karnismus

Melanie Joy definiert Karnismus als eine gewaltsame Ideologie, gemäß derer sich Menschen aufgrund ihrer behaupteten Überlegenheit das Recht anmaßen, Tiere zu misshandeln, auszubeuten, zu töten und ihre Körper für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Diese Ideologie wird uns im Elternhaus, in der Schule und in den Medien vorgelebt, ist also ein gesellschaftliches Phänomen. Hier wird deutlich, dass Karnismus sich nicht grundlegend von anderen Unterdrückungssystemen, sei es Rassismus, Sexismus und Homophobie, unterscheidet. Und hier liegt auch der Schlüssel für eine Veränderung:

Je weiter eine Gesellschaft sich wegbewegt von autoritärem Gedankengut, von der Unterdrückung von vermeintlich “Schwächeren” oder ganz einfach “Anderen”, je mehr wir einen freiheits- und gerechtigkeitsbetonten Umgang mit einander pflegen, je mehr wir uns selbst und andere achten, umso leichter ist es für uns, auch Tiere mit dem ihnen zustehenden Respekt zu behandeln.

Fazit:

Was bedeutet das für die individuelle Person? Vegane Frauen, die in einer Partnerschaft mit einem Fleischesser sind, können mit den 7 Gründen besser verstehen, warum der Fleischkonsum für ihren Liebsten möglicherweise ein sehr heikles Thema darstellt. Es gilt nicht nur, die Vorteile der veganen Lebensweise für Mensch und Tier zu erörtern, sondern auch die Mythen rund um Männlichkeit und Fleischkonsum anzusprechen – und das mit so viel Feingefühl, wie möglich.

Einer veganen Frau, die auf Partnersuche ist, lege ich ans Herz, nicht nur auf die Ernährungsweise ihres potentiellen Liebsten zu achten, sondern vor allem auf seine sozial-politische Einstellung. Je offener er progressiven Ideen gegenüber steht, umso offener und verständnisvoller wird er auf deinen veganen Lebensweise reagieren.

Dabei kannst du kräftig mithelfen, indem du ihn mit leckerem Essen und den richtigen Argumenten überzeugst.


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Alles Liebe,

Christina